Kintsugi – ein Erzeugnis japanischen Schönheitsempfindens

Unter einer Keramik-Reparatur versteht man meistens, dass Schäden gewissermaßen unsichtbar werden. Reparierte Objekte sollen wie neu aussehen, aber nie wieder benutzt werden. Dies ist eine Besonderheit der Kintsugi-Reparatur, denn Keramiken in Japan sind für den Gebrauch bestimmt – auch nach der Reparatur. Deshalb werden ausschließlich gesundheitlich unbedenkliche Materialien verwendet.

Wortwörtlich übersetzt heißt Kintsugi »Gold-Flicken«. Zusammengeklebt werden zerbrochene Stücke jedoch nicht mit Gold, sondern mit Urushi (Japanlack), der als Finish mit Goldstaub bzw. Blattgold überzogen wird. Wenn die Goldfarbe nicht als passend empfunden wird, kommt Silberstaub zum Einsatz (Gintsugi). Man kann aber auch ganz auf Glitzer verzichten (Urushi-Tsugi).

Zwölf Jahre habe ich in Seto, Yokkaichi und Tokio als Töpferin gearbeitet, und fand es immer zu schade, wenn eine Keramik zerbrach. Auf der Suche nach einer Reparaturmethode stieß ich auf Kintsugi. Zunächst war es nur ein Hobby, dann bekam ich hin und wieder Anfragen von Bekannten, die ich gern annahm, um wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

Nun biete ich Kintsugi in Deutschland an, wo die Technik fast unbekannt ist. Umso mehr freue ich mich, für diejenigen da sein zu können, die ihre Vorliebe für Kintsugi – die Schönheit des Zufalls und des Asymmetrischen – entdeckt haben.